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Bildungssystem Gesellschaft

Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit

Mark Poppenborg von Intrinsify hat vor ein paar Monaten zu einer Contentparade gegen die Unmündigkeitsfantasie in unserer Gesellschaft aufgerufen. Ich bin ihm ausgesprochen dankbar dafür, da mir der Beitrag ermöglichte mein eigenes Verständnis der Begriffe vor dem Hintergrund meiner beruflichen Erfahrung zu schärfen.

In seinem Post [mittlerweile gelöscht, Stand: 16.3.20] moniert Mark völlig zu Recht den „schleichenden Freiheitsentzug“ in der Mehrzahl der uns täglich umgebenden Organisationen. Er reduziere – das steht glaube ich außer Frage – „die Wirtschaftlichkeit in Unternehmen, die Pflegequalität in Krankenhäusern, das Lehrniveau in Schulen“ sowie „das zwischenmenschliche Vertrauen in unserer Gesellschaft“. Im Namen von Intrinsify ruft Poppenborg Interessierte dazu auf, eigene Beispiele „zivilen Ungehorsams“ zu veröffentlichen, bei denen Autorität zu Gunsten eines bewussten Regelbruchs unterlaufen wurde. Hierdurch, so die Hoffnung, ließe sich ein Beitrag leisten um der o.g. Illusion mit Gegenbeispielen aus dem echten Leben zu begegnen.

Unter Infantilisierung verstehe ich das Absprechen von Mündigkeit eines Menschen gegenüber seinem Mitmenschen, also die Annahme, dass der Betreffende nicht (oder noch nicht) in der Lage ist, sich selbst ein Bild von einer Situation zu machen, von sich aus Entscheidungen zu treffen und für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen. Marc Poppenborg sieht diese Art der „Bevormundung“ in vielen unserer Institutionen am Werk, in denen – das ist jetzt ausschließlich meine Interpretation – mit akribisch festgelegten Zuständigkeiten, Regeln und Verboten gearbeitet und hierarchisch gedacht wird, anstatt die Freiheitsräume für die Beteiligten zu öffnen und ‚heterarchisch‘ zu denken.

All das klingt auch erstmal recht einleuchtend, aber ich meine ganz so einfach ist dann es doch nicht.

Auch ich würde bei der Suche nach einer Erklärung für das Unmündigkeitsphänomen den Blick vom Einzelnen auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen richten; die offensichtliche Verschärfung des Problems in den letzten Jahren zeigt ja, dass es sich nicht gerade um eine historische Fußnote handelt. Auf die Frage aber, wieso sich für den überwiegenden Teil von uns die Selbstbestimmung im Täglichen immer schwieriger gestaltet, obwohl die Handlungsspielräume vermeintlich größer sind als je zuvor, wäre meine Antwort: Weil wir alle mit dem Eintritt in die Grundschule erfolgreich einen Prozess durchlaufen, den man, will man bei der ursprünglichen Begrifflichkeit bleiben, als Adultisierung (nicht Infantilisierung!) bezeichnen müsste.

Nicht umsonst endet in Nietzsches Zarathustra die Verwandlung des Geistes mit dem Kind. Weder das sich fügende Kamel, das Althergebrachtes als Bürde trägt, noch der Löwe, der sich auflehnt und seine Fesseln sprengt, reichen in Nietzsches Fabel aus, um wirklich Neues zu erschaffen. Dazu bedarf es erst der Unvoreingenommenheit und Konstruktivität des Kindes:

Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen. Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt sich der Weltverlorene.

Adultisierung meint die systematische Austreibung eben dieses Zustands durch die uns umgebenden Institutionen – an erster Stelle, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen: das Bildungssystem. Am Ende steht der erfolgreich trivialisierte und funktionalisierte ‚Erwachsene‘, der der Gesellschaft so wenig Probleme wie möglich bereitet. Er hat sich daran gewöhnt und die Vorteile zu schätzen gelernt – da bin ich ganz bei Poppenborg – Freiheit nicht als Chance, sondern Bedrohung zu sehen und Verantwortung dem System zuzurechnen, in dem er oder sie ohnehin nur ein kleines, austauschbares Rädchen ist. In diesem Sinne ist das Kindliche der größte Feind der Erwachsenenwelt, weshalb es keinen Sinn macht von einem Prozess der Infantilisierung zu sprechen.

Schließlich heißt es bei Mark: „Überall dort, wo Systeme dem fatalen Hang zum Autoritären folgen, ist ständiger ziviler Ungehorsam der Schmierstoff, der das Rad am Laufen hält.“ Aber auch das sehe ich anders*. Jeder Mitarbeiter, der sich die Freiheit nimmt Entscheidungen zu treffen, die unkonventionell und zielführend sind, aber dem Interesse von oben entgegenlaufen und die die Führung nicht ignorieren kann (oder will), bringt das Rad ins Stocken. Und auch die Hoffnung, bewusste Abweichungen könnten zum Anlass genommen werden um über Veränderungen allgemeiner Art nachzudenken, wird enttäuscht. Die Zuschreibung der Verantwortung auf eine bestimmte Person entlastet die Organisation einfach zu sehr von der aufreibenden Suche nach anderen Ursachen. Üblicherweise verhärten sich die Fronten und die Auseinandersetzung resultiert in stromlinienförmigem Dienst nach Vorschrift, der populärsten Streikmethode. Das hat damit zu tun, dass Autorität nicht Verantwortung entzieht – für oder gegen sie kann sich nur der Handelnde selbst entscheiden – sondern Freiheit. Sind einem als Handelnder aber erstmal dauerhaft die Spielräume genommen und werden Zuwiderhandlungen sanktioniert, wer entscheidet sich dann noch dafür im Gespräch zu bleiben? In diesem Fall bleiben nur zwei Möglichkeiten: Ein gerade eben notwendiges Maß an Anpassung, oder den Hut nehmen.

*Falls natürlich die von Luhmann (1964) et al. vertretene Auffassung gemeint ist, dass Organisationen nur deshalb reibungslos funktionieren, weil in ihnen fortlaufend gegen formale Regeln verstoßen wird („funktionale Regelverstöße“), ist dem zuzustimmen.

 
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Sinn Utopie

Der Traum von einer drogenfreien Welt

Die Drogenfrage als Sinnfrage

Beitrag im Rahmen des 13. Essay-Wettbewerbs von „Der Bund“ (Bern/Schweiz)  »Der Traum von einer drogenfreien Welt – ein schlechter Trip?«

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Sterbehilfe

Gus und das gute Ende

Es gibt Dinge, über die denkt keiner von uns gerne nach. Den nächsten Zahnarztbesuch zum Beispiel. Einen Freund, der sich nicht mehr meldet oder einen zweistelligen Kontostand. Und dann gibt es Dinge, über die einige sehr viel nachdenken, andere so gut wie gar nicht oder erst wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt.

Wie den eigenen Tod.

Als Normalsterbliche (ha!) sind wir für gewöhnlich nicht jederzeit bereit zu gehen und trösten uns mit dem Gedanken, dass die massive Verdrängung auch etwas Gutes hat. So können wir uns ganz auf das Leben, das Gegenteil, konzentrieren. (Was natürlich Quatsch ist.)

Als kleiner Junge habe ich viel über den Tod nachgedacht. Das erste Mal als ich verstand, dass alles auf der Welt endet. Später weil ich Angst um meine Oma hatte, die zu der Zeit merklich abbaute. Damals hatte ich einen wiederkehrenden Traum, in dem ich mit ihr bei einem Bombenangriff durch die Stadt irrte und vergeblich Schutz suchte.

Während des Studiums war das für mich kein Thema, was rückblickend überrascht, da mir zu dieser Zeit nicht nur die Großeltern, sondern auch die wichtigsten Freundschaften buchstäblich „wegstarben“.

Seit einiger Zeit merke ich, dass Vergänglichkeit wieder zum Thema wird – auch wenn es mich verblüfft, wie ausführlich sich andere (Schriftsteller, Philosophen) z.T. damit auseinandersetzen. Das mag zum einen daran liegen, dass mir Bertrand Russells Feststellung

Ich glaube, dass ich verwesen werde, wenn ich sterbe, und dass nichts von meinem Ego übrig bleibt. […] Das Glück ist wahr, auch dann, wenn es ein Ende finden muss, und auch das Denken und die Liebe verlieren nicht ihren Wert, weil sie nicht ewig währen.

so aus dem Herzen spricht.

Anscheinend sehe ich aber auch die zwingenden Konsequenzen, die sich aus der Haltung gegenüber dem einen in Bezug auf das andere ergeben sollen, nicht so klar wie andere. Sicher, wir alle sind bereits vom Moment der Geburt an „des Todes“ und Demut gegenüber dem Leben führt mit Sicherheit zu einem entspannteren Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit. Davon abgesehen aber bereiten mir Krankheiten und das damit verbundene Leid mehr Kopfzerbrechen als der Tod selbst – oder was in aller Welt wohl danach geschehen mag.

Vor dem Hintergrund dieser und ähnlicher Fragen hat mich eine aktuelle Doku tief berührt und ich möchte gerne an dieser Stelle gerne ein paar Schlüsselszenen teilen. Louis Theroux hat ja die besondere Gabe seine Zuschauer alles was er erlebt so erfahren zu lassen, als sei man tatsächlich dabei. Im Fall des krebskranken Sterbehilfe-Befürworters Gus aus Kalifornien ist das allerdings besonders beeindruckend gelungen.

Gus ist zu beneiden. Ganz sicher nicht um den Krebs, dafür aber um die Freiheit, selbst in Abstimmung mit seiner Frau den Beginn und die Art seiner letzten Reise wählen zu können und vor allem in Gesellschaft seiner wunderbaren Familie Abschied nehmen zu dürfen.

Kann es etwas Menschlicheres, weil gleichzeitig unendlich schrecklich und unendlich schön, geben? Ich glaube nicht.

So viel Liebe. 🙂 (Seufz.)

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Erkenntnistheorie

Über die Vorzüge einer Theorie des Beobachters

Kritische Betrachtungen des Konstruktivismus halten sich meist ausführlich mit dem Wahrheitsbegriff auf, was einerseits verständlich ist, weil es nahe liegt, andererseits aber auch schade, weil dadurch m.E. die eigentlich wichtigen Fragen in den Hintergrund rücken. Sicher mag es für den Wissenschaftsbetrieb – sowie im weiteren Sinne auch für seine Lehre – wichtig sein, über eine „harten“ Wahrheitsbegriff zu verfügen und ebenso sollten empirische Untersuchungen klaren Richtlinien der Durchführung genügen. Auf vernünftig gemessene ökologische Belastungswerte bspw. sollte man sich verlassen können. Dasselbe gilt für Urteile im Strafrecht u.ä.

Andererseits gehört es ja gerade zur Eigenlogik des Wissenschaftsbetriebs, dass bestimmte Forschungsrichtungen/-ergebnisse erwünschter und förderungswürdiger sind als andere. Das musste auch Humberto Maturana, auf den sich das Gros der ernst zunehmenden Konstruktivisten beruft, selbst am MIT erfahren. Die operationale Geschlossenheit des Nervensystems bei gleichzeitiger Offenheit für Störungen von außen z.B. ist mittlerweile empirisch überzeugend belegt. In diesen und ähnlichen Fällen stellt sich der Wissenschaftsbetrieb selbst als unvermögend dar, Ergebnisse entsprechend zu berücksichtigen und/oder kohärent in die allgemeine Forschung zu integrieren.

Darüber hinaus muss man sich klarmachen, dass es, entgegen der gängigen Intuition, ja die soft sciences sind, die es, im Gegensatz zu den hard sciences, mit den eigentlich harten Fragen (weil: unentscheidbar) zu tun haben. Mit welchem Ethos ein Wissenschaftler seine Forschung oder ein Manager seine Geschäfte betreibt, entscheidet somit grundlegender über die Ergebnisse der Arbeit als andere Dinge.

Vor diesem Hintergrund ist Karl Poppers Aussage, dass solche Überlegungen „von den eigentlich wichtigen Fragen wegführen“ m.E. mit Vorsicht zu genießen. Wo in aller Welt soll denn der beobachterunabhängige Bezugspunkt sein, auf den man trotz aller Beteuerungen niemand habe „die Wahrheit in der Tasche“ stillschweigend doch nicht verzichten kann (oder will)? Ohne Beobachterunabhängigkeit aber sind Wahrheit und Objektivität nicht zu haben.

Welche Vorteile, wird jetzt vielleicht der ein oder andere denken, hat denn eine Beschäftigung mit einer Theorie von Beobachtern, bei der sich das Gesagte nicht vom Sprecher trennen lässt, im Gegensatz zur klassisch-wissenschaftlichen Trennung von Subjekt und Objekt? Ich meine, gleich eine ganze Reihe.

Zunächst mal wendet man sich von der Erforschung einer vermeintlichen äußeren Realität, die „ist, wie sie ist“, hin zur Beschäftigung mit der Frage, wie Wirklichkeit im Kopf des Betrachters entsteht, wie eine Gesellschaft mit verschiedenen Realitätskonstruktionen umgeht und dennoch zielführend handeln kann. Alles wird in erster Linie eine Frage der Sprache und der Kommunikation. Die tägliche Erfahrung, dass nicht alle so denken wie man selbst, erschüttert einen nicht mehr. Man kann sich, ohne ständig darüber in Streit zu geraten welches Denken das „richtige“ ist, ob die Dinge wirklich so oder anders „sind“, gemeinsam mit anderen auf den Weg der Kollaboration machen. Die ethische Einsicht, dass ich selbst verantwortlich für das bin, was ich sage, aber nicht für das, was mein Gegenüber versteht, trägt zu einer unverkrampften Haltung angesichts sozialer Konflikte und ihrer Lösung bei.

Massenmediale Erregungsspitzen und Moralisierungswellen erzeugen Gelassenheit, da jeder zu allererst einmal über „sich selbst“ redet. In Fragen der Bildung und Erziehung wendet sich der Blick endgültig vom Lehren hin zum Lernen. In Medizin und Psychotherapie steht das Lebewesen im Mittelpunkt, welches, auch wenn seine innere Balance verloren geht und es leidet, weiterhin nach der Erhaltung seines Wohlbefindens strebt. Vor dem Hintergrund, dass es sich selbst bewahren und gleichzeitig den Veränderungen der Umwelt anpassen muss wird das Ziel sein, den Bereich, der aus dem Gleichgewicht gekommen ist, ausfindig zu machen und dem Betroffenen zu helfen, sich selbst zu heilen. Schließlich geht bei dieser Art die Welt zu betrachten noch nicht einmal die Außenwelt verloren. Der Beziehung zu ihr kann sich der Beobachter jederzeit durch seine Operationen versichern. Einzig die sinnvolle Übereinstimmung zwischen ihnen wird bestritten. Für den Beobachter gibt es schlicht kein Innen und Außen.

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Digitalisierung Gesellschaft

Das Ende des freien Internets

Man mag über Jean Baudrillard denken, was man will, aber auf einem Auge hat er ziemlich klar gesehen. Seine Diagnose der „Sättigung des Systems“, die früher oder später alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt, lässt sich derzeit am Beispiel des Internets wunderbar beobachten. Auf jede Liberalisierung reagiert das System seinerseits mit Regulation. Im konkreten Fall hat das, was einst als Versprechen, ja Verheißung: Web 2.0 – Das Mitmach-Internet seinen Anfang nahm, nun tatsächlich seine letzte Ruhestätte in einer „Beschleunigung im Leeren“ gefunden. Schuld daran sind natürlich die Heerscharen von Kanzleien, Konzernen und Start-Ups, die in den letzten Jahren wie Heuschrecken über das Internet hergefallen sind. Schließlich galt es das Urheberrecht zu schützen, Mobilität, Information und Vernetzung zu ermöglichen… Und jetzt? Diskutieren wir über Uploadfilter und Microtargeting 😦

DLF Zeitenwende – Das Ende des Internets, wie wir es kennen

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Familie

Liebende bleiben

Wie trifft man als Familie eine Entscheidung, wenn verschiedene (berechtige) Bedürfnisse zueinander im Widerspruch stehen? Was ich meine sind Situationen, in denen es unmöglich ist, zwei Wege gleichzeitig zu beschreiten und deshalb einem von beiden der Vorzug gegeben werden muss. Ich finde das ist schon allgemein eine unheimlich spannende Frage. Und wie es der Zufall will, beschreibt ein Paar im aktuellen Buch des Familientherapeuten Jesper Juul genau das Dilemma, das bei uns im letzten Jahr so oft Thema war. Abgesehen davon, dass es natürlich Balsam für die geschundene Seele ist zu sehen, dass andere mit den gleichen Problemen wie man selbst zu kämpfen haben, spricht mir Juuls Vorschlag, den Tatsachen Vorrang vor der Weltanschauung zu geben, einfach aus dem Herzen.

Yvonne: Okay… Können wir vielleicht auch noch mal über eine konkrete Situation sprechen? Also morgens haben wir immer Stress. Wenn es darum geht, aus dem Haus zu kommen.

Tobias: Ja. Ich nehme Lara mit und fahre sie vor der Arbeit in den Kindergarten. Ich muss bis spätestens halb neun bei meiner Arbeitsstelle sein. Und oft, wenn wir eigentlich schon los müssen, fängt sie noch mal an zu spielen, und dann sage ich: »So, jetzt hör auf zu spielen, wir müssen los.«

Yvonne: »…oder ich gehe allein.«

Tobias: Genau. Oder ich gehe dann allein. Ich kann meinem Chef ja nicht sagen, nur weil das Kind nicht fertig wird, komme ich eine Stunde später. Das geht nun mal nicht. Und dann entsteht Stress, klar, hauptsächlich für Yvonne…

Yvonne: Klar, dann stehe ich da mit dem Kind! Dann muss ich alles neu planen und muss sie in den Kindergarten bringen. Mit Ben. Tobias löst den Konflikt dann für sich und auf seine Art, aber ich muss die Konsequenz tragen.

Jesper: Und wie oft ist das passiert?

Yvonne: Es ist noch nie passiert. Oder ganz selten, ich weiß es gerade nicht mehr.

Jesper: Okay. Weil, das ist ein interessanter Unterschied zwischen Männern und Frauen… Du erlebst das als eine Drohung.

Yvonne: Ja…

Jesper: Aber das ist es nicht, das ist nur eine Tatsache. Es ist tatsächlich so: »Wenn du nicht fertig bist, dann fahre ich.«

Tobias: Es ist schon mal vorgekommen, dass ich allein losgefahren bin. Ja, so ist das dann.

Jesper: Ja! So ist es. Das meine ich. Anders kann man es zum Beispiel in Supermärkten beobachten, wenn ein Kind irgendetwas entdeckt hat, die Mutter aber weitergehen möchte und sagt: »Komm mit.« – »Nein, ich will hier sein, ich will hier spielen«, sagt das Kind dann vielleicht. Und die Mutter erwidert: »Dann gehe ich allein.« – »Okay«, sagt das Kind. – Dann geht die Mutter vielleicht fünf Meter, schafft es aber nicht, weiterzugehen und das Kind allein in dem Supermarktgang zu lassen, kommt zurück und sagt: »Komm jetzt mit.« Und das Kind fragt: »Oder?« – »Ja, dann geh ich wirklich allein. Und dann kannst du ja sehen, wie das ist, dann bist du ja auch allein«, sagt die Mutter dann verärgert. Und das ist dann mit Drohen verbunden, das ist Manipulation.

Yvonne: Okay, so etwas haben wir auch.

Jesper: Ja, aber hier, in diesem Fall, steht der Papi da und sagt: »So ist die Welt.« Das wollte ich nur sagen. Es geht nicht um Erziehung. Es geht nicht um Unterschiede, es geht darum, dass dein Mann die Tatsachen vorstellt: »Es ist tatsächlich so, ich muss rechtzeitig auf meiner Arbeit sein, und wenn du nicht mitmachst, dann muss ich allein fahren.«

Yvonne: Okay, Drohung ist dann, wir fahren auf der Autobahn, und das Kind tritt von hinten gegen die Sitze, und Tobias sagt wütend: »Wenn du jetzt nicht aufhörst, dann fahre ich an die nächste Raststätte, und da bleibst du stehen.« Das hatten wir auch schon. Ist natürlich auch noch nie passiert. Weil ich ja mit im Auto sitze. (Yvonne lacht.)

Jesper: (Jesper lacht auch.) Der Rettungsdienst. Auf der Autobahn.

Yvonne: Ich weiß nicht, ob es passieren würde, wenn ich nicht dabei sein würde. Wahrscheinlich nicht, aber…

Jesper: Okay. Ich glaube, du kannst deiner Frau sagen: »Es geht nicht um Erziehungsphilosophie«, wenn du so etwas sagst.

Tobias: Ja, es geht einfach nur darum: Jetzt muss Ruhe sein, weil sonst passiert noch ein Unfall. Und das Auto ist ja kein Spielplatz.

Und dann noch diese wunderbaren Gedanken zu Erwartung und Verantwortung:

Bleibt man aber in seine Erwartungen verstrickt, sieht also nicht den Partner oder das Kind, sondern nur das Wunschbild, das man vom anderen hat, dann muss man zwangsläufig enttäuscht werden. Denn nur selten wird der andere dem Bild in uns entsprechen – er ist, wie er ist. Wird nun die Erwartung nicht erfüllt, gibt man meist gern dem anderen die Schuld. »Immer lässt du mich alles allein machen.« Doch für unsere Erwartungen sind wir selbst verantwortlich – nicht der Partner und nicht die Kinder: Ich bin verantwortlich. Wenn ich erwarte, dass meine Frau dies und jenes tun soll, dann muss ich mit ihr reden und sagen: »Das erwarte ich.« Und meine Frau kann sagen: »Hm, viel Glück!«, oder: »Mache ich aber nicht.«, oder: »Ja, meine ich auch.« Und dann werden wir sehen.

Diese Verantwortung für seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu übernehmen ist besonders wichtig, wenn man Familie wird. Unsere Erwartungen täuschen uns bloß, und die Enttäuschung über den anderen – das Kind oder den Partner – macht im Grunde nur spürbar, dass der andere unserem Wunschdenken nicht entspricht.

Also hören wir doch besser auf, unsere Beziehungen durch unausgesprochene Erwartungen zu vergiften. Besonders die zu unserem Partner oder der Partnerin. Unsere Mitmenschen so zu nehmen, wie sie sind, ist aber vielleicht das Schwierigste auf der Welt. Kinder können das. Sie sind uns darin Vorbilder. (…)

So kam vor Kurzem eine schwedische Familie zu mir in die Beratung, deren Tochter zweieinhalb war und bis zu diesem Tag noch kein Wort gesprochen hatte. Kein einziges Wort. Und alle haben versucht – also nicht nur Eltern, auch die Erzieher und eine Logopädin, die armen Kinder müssen heutzutage ja immer gleich in Therapie, wenn etwas nicht nach der Norm abläuft – also alle haben versucht, das Kind zum Sprechen zu bewegen. Während ich mich nun mit den Eltern austauschte und nachfragte, hörte das Mädchen aufmerksam zu. Ich habe die Eltern zum Schluss des Gesprächs gefragt: »Was wollt ihr denn gern von ihr hören?« Sie zögerten und sagten dann: »Ja, wissen wir nicht.« Und als wir uns verabschiedeten, kam die Kleine zu mir und sagte laut und deutlich: »Tschüss!« Die Eltern standen fast unter Schock, weil sie zum ersten Mal ihre Tochter hatten sprechen hören. Und sie schauten mich an, als wollten sie fragen: Warum spricht sie mit dir, Jesper, aber nicht mit uns? Na, für dieses Mädchen war klar, dass ich keine Erwartungen hatte. Ich hatte ihr vermittelt: »Wenn du reden möchtest, dann bist du herzlich willkommen, wenn nicht, dann bist du genauso herzlich willkommen.«

aus: Juul, Jesper. Liebende bleiben. Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken. Weinheim: Beltz, 2017. 23-26, 60-62.

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Schule Ziffernnoten

Ist das Politik oder kann das weg?

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Kunst Suizid

Nicht von dieser Welt

„Mann mit Hund!“ Es ist Dienstag, der 19. Oktober 1999 kurz nach 20 Uhr und ich fahre mit ein paar Freunden durch Frankfurt-Eschersheim. Wir sind gerade von der Autobahn abgebogen, haben uns ein bisschen verfranzt und keine Ahnung wie wir unser Ziel, die Maybachstraße 24, erreichen sollen. Also halte ich neben dem Mann, den mein Kumpel gerade gesehen hat und frage nach dem Weg zum Batschkapp, einem Club, der „hier irgendwo“ in der Nähe sein muss. „Ihr meint die Kapp?“ Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht. „Einfach an der nächsten Kreuzung rechts, dann an der dritten Ampel links. Nach 100 Metern auf der rechten Seite seht ihr das Schild.“ „Wow, vielen Dank!“, entgegne ich vom Fahrersitz aus. „Sie wissen es wahrscheinlich nicht, aber Sie haben uns gerade das Leben gerettet.“ Und nach einer kurzen Pause: „Was ist das eigentlich – eine Batschkapp?“ „Wisst ihr das denn nicht…?“ Der Typ scheint amüsiert. „So nennt man hier bei uns die französischen Mützen.“ Meine Freunde und ich schauen uns fragend an. „Eine Schiebermütze?“ „Ja, genau! Oder Schlägermütze. Batsch heißt auf Hessisch ,Schlag‘.“

Als wir den Saal betreten, erschlägt es uns fast. Der Raum vor der Bühne ist bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. Im Stehen bricht einem glatt der Schweiß aus. Irgendwie schafft es mein Kumpel noch vier Bier zu besorgen, während wir uns mit fadenscheinigen Begründungen in die Mitte des Publikums durchkämpfen. Der coolste Roadie aller Zeiten ist gerade noch dabei, den Bass zu stimmen. Er trägt einen braunen Trainingsanzug aus Fleece und sein Schmerbauch hängt schlapp über die Bommel seiner rutschbereiten Hose. Er sieht aus, als würde er nach getaner Arbeit gleich wieder in den Bus steigen zu Bier, Nachos und nur äußerst ungern unterbrochener Staffel Akte X – – was er wahrscheinlich auch tut. Nach fünf Minuten geht das Licht aus und die Band betritt die Bühne. Sie spielen ein Instrumental und bringen das Publikum in Stimmung.

Dann kommt der Moment, der mein Leben für immer verändert. Plötzlich erscheint der Sänger. Er hat schmale dunkle Jeans an, eine offene Lederjacke und seine kurz gelockten Haare fallen ihm lässig in die Stirn. Über seinem Ziegenbärtchen zeichnet sich ein schüchternes Lächeln ab. Das Publikum applaudiert und er hebt die Hand zum Gruß. „Ich fasse es nicht“, höre ich mich selbst sagen. „Er sieht aus wie der junge Jim Morrison – nur 1.000x besser!“ Für einen Moment habe ich das Gefühl, der ganze Club will auf der Stelle mit ihm schlafen. Dann beginnt er zu singen, und für einen kurzen Moment treffen sich unsere Blicke. Seine kristallblauen Augen stechen direkt durch mich hindurch. Seine Stimme jagt mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Während der nächsten eineinhalb Stunden bin ich wie in Trance, vergesse alles um mich herum, während er und seine Band das Album spielen, das ich erst ein paar Tage vorher gekauft habe und das mich bis heute begleitet: Euphoria Morning. Das wahrscheinlich schönste und gleichzeitig traurigste Stück Musik, das je aufgenommen wurde. Und bis heute eine meiner absoluten Lieblingsplatten. Diese Songs, diese Stimme, diese Produktion, dieser Sound. Dieser Mann!!

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Die alte „Batschkapp“ in Frankfurt, 1991

Fast forward: Mai 2017.

Ich sitze gerade am Frühstückstisch, als die Nachricht reinkommt. Meine Knie fangen an zu zittern und das Handy gleitet mir aus der Hand. Das kann nicht sein. Nein, nein, nein!!! Erst vor ein paar Wochen hatte ich seine letzte Soloplatte gehört, versucht die Reunion mit Soundgarden neu einzuordnen. Sicher, mir war aufgefallen, dass sein neues Leben ziemlich anders war als die „goldenen“ Neunziger oder die Zeit mit Audioslave, als ich ihn ein bisschen aus den Augen verloren hatte. Aber die times of trouble schienen überwunden, er war überaus produktiv und präsent, in jeder Hinsicht. Sogar einige Shows mit Temple of the Dog hatte es gegeben.

Die Reaktion von Frau und Schwiegermutter schien den ersten Eindruck zu bestätigen: Eine Verkettung unglücklicher Umstände allein könne es gewesen sein. Der verkorkste Gig in Detroit, die hartnäckige Migräne, der Stress des Hin- und Herfliegens, die berüchtigte Pille zu viel. Eine Art Sekunden-Rückfall in alte Zeiten. Nur jetzt, ein knappes halbes Jahr später, ergibt sich ein anderes Bild von Chris Cornells letzten Jahren. Und das fühlt sich weniger gut an…

Ein glücklicher Ehemann und Musiker sei er gewesen, ihr „sweet Christopher“, seine Texte – vor allem die des letzten Albums – Ausgeburten eines kreativen Geists ohne Bezug zum „wirklichen“ Leben, so die Familie. Bis zur Veröffentlichung des toxikologischen Befunds ließ sich die Wie-aus-dem-Nichts-These auch recht gut aufrecht erhalten. Der aber zeigte, dass Cornell weder eine Überdosis Beruhigungsmittel noch andere Drogen im Körper hatte, die einen derartigen „Unfall“ hätten erklären können. Vielmehr hatte sich der Musiker mit den Tabletten selbst über den Rubikon geholfen. Die Möglichkeit eines Spontanentschlusses fiel vor dem Hintergrund der Verriegelung zweier Türen und der Installation einer Schlaufe aus Gymnastikband und Haken ebenfalls aus.

In den Wochen danach tauchten dann immer wieder Nachrufe angeblicher Fans mit hanebüchenen Pseudonymen auf der offiziellen Webseite auf, die ins gleiche Horn bliesen wie die Ex-Frau. Er solle nicht so hart zu sich selbst sein, im Jenseits. Frieden ließe sich lediglich finden, indem Chris sich für seine Taten – gemeint war natürlich das Im-Stich-Lassen seiner Familie – selbst vergebe.

So bleiben dem, der mehr wissen will, im Grunde nur die Posts weniger bekannter Leute, mit denen Chris Cornell in seinem Leben zu tun hatte. Sie vermitteln einen Eindruck von der Zerrissenheit seiner Seele und dem Grad der Depression, mit der der Künstler sein Leben lang und vor allem gegen Ende zu kämpfen hatte. Wie z.B. der von Andrew Berenyi:

chris, a LOT of us will miss you very much, and the thought that we’ll never hear THAT VOICE coming out of that big chest in real life again, that i’ll never be able to shake your hand and have a hug, and maybe you grab my ass or some play like that shit you used to do, is hard to deal with. you were just a guy. a very special guy with some oddities that made you ….YOU–well, i’m gonna miss you a ton my friend. and i wish you were still around to encourage me, and to agg me on to do some crazy stuff, with you, or just knowing you’re out there watching, trust me man, i’d put a follow spot on you too. anytime.

one thing though, chris. you scared me man. the night you told me that you had a beautiful new daughter, a fast black car in the parking lot outside the hotel, that you had a pretty new girlfriend, millions of dollars and all the fame a guy could ever desire, and you still thought “how can i get on the roof of this place, and take my last jump” and that you didn’t know where those thoughts came from, especially considering that you had more cool stuff than you had dreamed you’d have, you scared me. so when i got the news last week, somehow i wasnt surprised. the only thing we did NOT have in common i have sometimes thought, was the ability to actually carry out that thought. that you actually listened to “that ugly voice” inside you…especially considering that you had THAT VOICE that would lead almost anyone to doubt that you’d EVER lose that fight. i didn’t think you would. not REALLY. but i’ve seen it take others, and it’ll always be there for most of us. i guess.i just know that i couldn’t have done it. and i’m not mad at you…yet. perhaps that’ll be coming along presently.

love you man.

catch ya on the flip.

Oder der von Michael Beinhorn:

Perhaps I’m late to the party, but Chris’s suicide has put “Superunknown” into a completely new context for me. I was listening to some of the project roughs today and for the first time, what he was singing about hit home with profound finality- so much so that it felt like some unseen, unstoppable force had begun drilling a hole straight through me.

I was obsessed with his lyrics when we were making the record and always suspected that they revealed a great deal more than he wanted anyone to know, but every time I would ask him for insight into what he was trying to say, he would always look at me like I was from Mars and shine me on by saying, ‘They don’t mean anything- they’re just words”. Yeah, right. So- those demons were real, after all.

Depressionen und Suizidgedanken sind nun mal allein schon kein Kinderspiel. Kommen dann noch ein destruktives Musikbusiness und eine – mit Verlaub – merkwürdige Frau und Schwiegermutter dazu, braucht es m.E. gar keine anderen Gründe mehr für einen Selbstmord; so schmerzhaft das auch anscheinend weiterhin für seine Nächsten ist. Es lässt sich nur erahnen, in welchem Ausmaß Chris Cornell in den letzten Jahren eine isolierte Existenz gelebt haben muss und es schaudert mich darüber nachzudenken wie viele der Menschen, denen wir tagtäglich über den Weg laufen, das wohl weiterhin tun. Daraus zu lernen anstelle von Schuld zuzuweisen wäre so wichtig.

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Lieber Chris, danke für die Erinnerung an eins der intimsten Konzerte, die ich je erleben durfte und die unzähligen Momente des Lichts und der Dunkelheit, der Schönheit und des Schmerzes niemand konnte beides gleichzeitig in seiner Musik so ausdrücken wie du. Mir ist bewusst, dass es deine Kunst ohne den täglichen Überlebenskampf deiner Seele nie gegeben hätte. Deshalb bin ich für jede Sekunde dankbar: Für alles, was du mit uns geteilt hast und das, was du mit deinem schier unendlichen Talent und dieser unglaublichen Stimme angestellt hast. Die Welt ohne dich ist nicht mehr dieselbe. Ich vermisse dich. Ich weiß das klingt komisch, wo wir doch nie persönlich gesprochen haben, zeigt aber auch, wie verbunden man sich mit einem Künstler vom anderen Ende der Welt fühlen kann. Ich bin dankbar über Videos wie dieses, weil sie mich jeden Tag an deine Großartigkeit erinnern.

Vielleicht wusstest du für einen Augenblick einfach, dass es nie wieder besser werden würde. Oder du warst sauer auf dich und die Welt und die Umstände passten. Es spielt keine Rolle mehr. Ich hoffe du hast deinen Frieden gefunden, wo immer du jetzt bist…

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Holocaust

Zeugnis des Unvorstellbaren

Rudolf Vrba (1924–2006) war ein außergewöhnlicher Mensch.

Vrba

Die Zahl derer, die drei Konzentrationslager überlebt haben, aus Auschwitz geflohen sind, Bericht über den Massenmord abgelegt und im 1. Frankfurter Prozess ausgesagt haben, lässt sich ohnehin an einer Hand abzählen. Was Vrba darüber hinaus einzigartig macht, ist seine Autobiografie. Eine wunderbare Erzählung, ohne Pathos und Selbstmitleid und dennoch menschlich, mit messerscharfer Präzision und ganz besonders schwarzem Humor.

Diese Woche erscheint die Hörbuch-Ausgabe von „Ich kann nicht vergeben“ im Leipziger BUCHFUNK Verlag.

Cover

Weil mich kein anderes Buch über den Holocaust – abgesehen von Filip Müllers Sonderbehandlung und Gitta Serenys Am Abgrund – so tief beeindruckt hat, habe ich mich mit Freude redaktionell an der Umsetzung des Stoffs beteiligt.

Möge diese Fassung einer möglichst großen Gruppe von Interessierten den Zugang zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und die moderne Tragödie einer freien, aber verantwortungslosen Gesellschaft eröffnen.

»Vrba schildert zwei Jahre im Mikrokosmos Auschwitz – und man hat eine ganze Welt gesehen.«  Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur

 

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Bildungssystem Schule

Schule heute – oder: Wenn die Lösung das Problem ist

Ein Plädoyer für eine Lernkultur des Vertrauens und der Wertschätzung