Veröffentlicht in Musik

Nicht von dieser Welt

„Mann mit Hund!“ Es ist Dienstag, der 19. Oktober 1999 kurz nach 20 Uhr und ich fahre mit ein paar Freunden durch Frankfurt-Eschersheim. Wir sind gerade von der Autobahn abgebogen, haben uns ein bisschen verfranzt und keine Ahnung wie wir unser Ziel, die Maybachstraße 24, erreichen sollen. Also halte ich neben dem Mann, den mein Kumpel gerade gesehen hat und frage nach dem Weg zum Batschkapp, einem Club, der „hier irgendwo“ in der Nähe sein muss. „Ihr meint die Kapp?“ Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht. „Einfach an der nächsten Kreuzung rechts, dann an der dritten Ampel links. Nach 100 Metern auf der rechten Seite seht Ihr das Schild.“ „Wow, vielen Dank!“, entgegne ich vom Fahrersitz aus. „Sie wissen es wahrscheinlich nicht, aber Sie haben uns gerade das Leben gerettet.“ Und nach einer kurzen Pause: „Was ist das eigentlich – eine Batschkapp?“ „Wisst Ihr das denn nicht…?“ Der Typ scheint amüsiert. „So nennt man hier bei uns die französischen Mützen.“ Meine Freunde und ich schauen uns fragend an. „Eine Schiebermütze?“ „Ja, genau! Oder Schlägermütze. Batsch heißt auf Hessisch ,Schlag‘.“

Als wir den Saal betreten, erschlägt es uns fast. Der Raum vor der Bühne ist bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. Im Stehen bricht einem glatt der Schweiß aus. Irgendwie schafft es mein Kumpel noch vier Bier zu besorgen, während wir uns mit fadenscheinigen Begründungen in die Mitte des Publikums durchkämpfen. Der coolste Roadie aller Zeiten ist gerade noch dabei, den Bass zu stimmen. Er trägt einen braunen Trainingsanzug aus Fleece und sein Schmerbauch hängt schlapp über die Bommel seiner rutschbereiten Hose. Er sieht aus, als würde er nach getaner Arbeit gleich wieder in den Bus steigen zu Bier, Nachos und nur äußerst ungern unterbrochener Staffel Akte X – – was er wahrscheinlich auch tut. Nach fünf Minuten geht das Licht aus und die Band betritt die Bühne. Sie spielen ein Instrumental und bringen das Publikum in Stimmung.

Dann kommt der Moment, der mein Leben für immer verändert. Plötzlich erscheint der Sänger. Er hat schmale dunkle Jeans an, eine offene Lederjacke und seine kurz gelockten Haare fallen ihm lässig in die Stirn. Über seinem Ziegenbärtchen zeichnet sich ein schüchternes Lächeln ab. Das Publikum applaudiert und er hebt die Hand zum Gruß. „Ich fasse es nicht“, höre ich mich selbst sagen. „Er sieht aus wie der junge Jim Morrison – nur 1.000x besser!“ Für einen Moment habe ich das Gefühl, der ganze Club will auf der Stelle mit ihm schlafen. Dann beginnt er zu singen, und für einen kurzen Moment treffen sich unsere Blicke. Seine kristallblauen Augen stechen direkt durch mich hindurch. Seine Stimme jagt mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Während der nächsten eineinhalb Stunden bin ich wie in Trance, vergesse alles um mich herum, während er und seine Band das Album spielen, das ich erst ein paar Tage vorher gekauft habe und das mich bis heute begleitet: Euphoria Morning. Das wahrscheinlich schönste und gleichzeitig traurigste Stück Musik, das je aufgenommen wurde. Und bis heute eine meiner absoluten Lieblingsplatten. Diese Songs, diese Stimme, diese Produktion, dieser Sound. Dieser Mann!!

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Die alte „Batschkapp“ in Frankfurt, 1991

Fast forward: Mai 2017.

Ich sitze gerade am Frühstückstisch, als die Nachricht reinkommt. Meine Knie fangen an zu zittern und das Handy gleitet mir aus der Hand. Das kann nicht sein. Nein, nein, nein!!! Erst vor ein paar Wochen hatte ich seine letzte Soloplatte gehört, versucht die Reunion mit Soundgarden neu einzuordnen. Sicher, mir war aufgefallen, dass sein neues Leben ziemlich anders war als die „goldenen“ Neunziger oder die Zeit mit Audioslave, als ich ihn ein bisschen aus den Augen verloren hatte. Aber die times of trouble schienen überwunden, er war überaus produktiv und präsent, in jeder Hinsicht. Sogar einige Shows mit Temple of the Dog hatte es gegeben.

Die Reaktion von Frau und Schwiegermutter schien den ersten Eindruck zu bestätigen: Eine Verkettung unglücklicher Umstände allein könne es gewesen sein. Der verkorkste Gig in Detroit, die hartnäckige Migräne, der Stress des Hin- und Herfliegens, die berüchtigte Pille zu viel. Eine Art Sekunden-Rückfall in alte Zeiten. Nur jetzt, ein knappes halbes Jahr später, ergibt sich ein anderes Bild von Chris Cornells letzten Jahren. Und das fühlt sich weniger gut an…

Ein glücklicher Ehemann und Musiker sei er gewesen, ihr „sweet Christopher“, seine Texte – vor allem die des letzten Albums – Ausgeburten eines kreativen Geists ohne Bezug zum „wirklichen“ Leben, so die Familie. Bis zur Veröffentlichung des toxikologischen Befunds ließ sich die Wie-aus-dem-Nichts-These auch recht gut aufrecht erhalten. Der aber zeigte, dass Cornell weder eine Überdosis Beruhigungsmittel noch andere Drogen im Körper hatte, die einen derartigen „Unfall“ hätten erklären können. Vielmehr hatte sich der Musiker mit den Tabletten selbst über den Rubikon geholfen. Die Möglichkeit eines Spontanentschlusses fiel vor dem Hintergrund der Verriegelung zweier Türen und der Installation einer Schlaufe aus Gymnastikband und Haken ebenfalls aus.

In den Wochen danach tauchten dann immer wieder Nachrufe angeblicher Fans mit hanebüchenen Pseudonymen auf der offiziellen Webseite auf, die ins gleiche Horn bliesen wie die Ex-Frau. Er solle nicht so hart zu sich selbst sein, im Jenseits. Frieden ließe sich lediglich finden, indem Chris sich für seine Taten – gemeint war natürlich das Im-Stich-Lassen seiner Familie – selbst vergebe.

So bleiben dem, der mehr wissen will, im Grunde nur die Posts weniger bekannter Leute, mit denen Chris Cornell in seinem Leben zu tun hatte. Sie vermitteln einen Eindruck von der Zerrissenheit seiner Seele und dem Grad der Depression, mit der der Künstler sein Leben lang und vor allem gegen Ende zu kämpfen hatte. Wie z.B. der von Andrew Berenyi:

chris, a LOT of us will miss you very much, and the thought that we’ll never hear THAT VOICE coming out of that big chest in real life again, that i’ll never be able to shake your hand and have a hug, and maybe you grab my ass or some play like that shit you used to do, is hard to deal with. you were just a guy. a very special guy with some oddities that made you ….YOU–well, i’m gonna miss you a ton my friend. and i wish you were still around to encourage me, and to agg me on to do some crazy stuff, with you, or just knowing you’re out there watching, trust me man, i’d put a follow spot on you too. anytime.

one thing though, chris. you scared me man. the night you told me that you had a beautiful new daughter, a fast black car in the parking lot outside the hotel, that you had a pretty new girlfriend, millions of dollars and all the fame a guy could ever desire, and you still thought “how can i get on the roof of this place, and take my last jump” and that you didn’t know where those thoughts came from, especially considering that you had more cool stuff than you had dreamed you’d have, you scared me. so when i got the news last week, somehow i wasnt surprised. the only thing we did NOT have in common i have sometimes thought, was the ability to actually carry out that thought. that you actually listened to “that ugly voice” inside you…especially considering that you had THAT VOICE that would lead almost anyone to doubt that you’d EVER lose that fight. i didn’t think you would. not REALLY. but i’ve seen it take others, and it’ll always be there for most of us. i guess.i just know that i couldn’t have done it. and i’m not mad at you…yet. perhaps that’ll be coming along presently.

love you man.

catch ya on the flip.

Oder der von Michael Beinhorn:

Perhaps I’m late to the party, but Chris’s suicide has put “Superunknown” into a completely new context for me. I was listening to some of the project roughs today and for the first time, what he was singing about hit home with profound finality- so much so that it felt like some unseen, unstoppable force had begun drilling a hole straight through me.

I was obsessed with his lyrics when we were making the record and always suspected that they revealed a great deal more than he wanted anyone to know, but every time I would ask him for insight into what he was trying to say, he would always look at me like I was from Mars and shine me on by saying, ‘They don’t mean anything- they’re just words”. Yeah, right. So- those demons were real, after all.

Depressionen und Suizidgedanken sind nun mal allein schon kein Kinderspiel. Kommen dann noch ein destruktives Musikbusiness und eine – mit Verlaub – merkwürdige Frau und Schwiegermutter dazu, braucht es m.E. gar keine anderen Gründe mehr für einen Selbstmord; so schmerzhaft das auch anscheinend weiterhin für seine Nächsten ist. Es lässt sich nur erahnen, in welchem Ausmaß Chris Cornell in den letzten Jahren eine isolierte Existenz gelebt haben muss und es schaudert mich darüber nachzudenken wie viele der Menschen, denen wir tagtäglich über den Weg laufen, das wohl weiterhin tun. Daraus zu lernen anstelle von Schuld zuzuweisen wäre so wichtig.

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Lieber Chris, danke für die Erinnerung an eins der intimsten Konzerte, die ich je erleben durfte und die unzähligen Momente des Lichts und der Dunkelheit, der Schönheit und des Schmerzes niemand konnte beides gleichzeitig in seiner Musik so ausdrücken wie du. Mir ist bewusst, dass es deine Kunst ohne den täglichen Überlebenskampf deiner Seele nie gegeben hätte. Deshalb bin ich für jede Sekunde dankbar: Für alles, was du mit uns geteilt hast und das, was du mit deinem schier unendlichen Talent und dieser unglaublichen Stimme angestellt hast. Die Welt ohne dich ist nicht mehr dieselbe. Ich vermisse dich. Ich weiß das klingt komisch, wo wir doch nie persönlich gesprochen haben, zeigt aber auch, wie verbunden man sich mit einem Künstler vom anderen Ende der Welt fühlen kann. Ich bin dankbar über Videos wie dieses, weil sie mich jeden Tag an deine Großartigkeit erinnern.

Vielleicht wusstest du für einen Augenblick einfach, dass es nie wieder besser werden würde. Oder du warst sauer auf dich und die Welt und die Umstände passten. Es spielt keine Rolle mehr. Ich hoffe du hast deinen Frieden gefunden, wo immer du jetzt bist…

Veröffentlicht in Holocaust, Literatur

In eigener Sache: Zeugnis des Unvorstellbaren

Rudolf Vrba (1924–2006) war ein außergewöhnlicher Mensch.

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Die Zahl derer, die drei Konzentrationslager überlebt haben, aus Auschwitz geflohen sind, Bericht über den Massenmord abgelegt und im 1. Frankfurter Prozess ausgesagt haben, lässt sich ohnehin an einer Hand abzählen. Was Vrba darüber hinaus einzigartig macht, ist seine Autobiografie. Eine wunderbare Erzählung, ohne Pathos und Selbstmitleid und dennoch menschlich, mit messerscharfer Präzision und ganz besonders schwarzem Humor.

CoverDiese Woche erscheint die Hörbuch-Ausgabe von „Ich kann nicht vergeben“ im Leipziger BUCHFUNK Verlag.

Weil mich kein anderes Buch über den Holocaust – abgesehen von Filip Müllers Sonderbehandlung und Gitta Serenys Am Abgrund – so tief beeindruckt hat, habe ich mich mit Freude redaktionell an der Umsetzung des Stoffs beteiligt.

Möge diese Fassung einer möglichst großen Gruppe von Interessierten den Zugang zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und die moderne Tragödie einer freien, aber verantwortungslosen Gesellschaft eröffnen.

»Vrba schildert zwei Jahre im Mikrokosmos Auschwitz – und man hat eine ganze Welt gesehen.«  Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur

 

Veröffentlicht in Schule

Die Verantwortung der Zukunft

Wie kann es sein, dass wir für unsere Kinder die Fortsetzung
einer Gesellschaft entwerfen, mit der wir selbst unglücklich sind?
Wollen wir unsere Gegenwart zu ihrer Zukunft machen?
Wollen wir ihnen die Möglichkeit nehmen, sich als Gestalter ihrer
eigenen Welt zu erleben und in sich nach einer Identität zu suchen,
die ihrem Leben Sinn verleiht?
– Humberto Maturana

Zur Zeit ist wieder viel davon die Rede, wie wichtig das Wissen für die Veränderung in unserer Gesellschaft ist. Wie sehr es davon abhängt, ob die Kinder, wenn Sie aus der Schule kommen, die Dinge können, die es braucht, um die Probleme der Zukunft zu lösen. Mich stimmt dieses Gerede mittlerweile sehr nachdenklich und ich will es zum Anlass nehmen, in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Komplexität und Verantwortung herauszustellen.

Es gibt – zumindest auf dieser Welt – niemanden, der die Zukunft vorhersagen könnte. Wenn wir es dennoch versuchen, verlängern wir mit Hilfe von gedanklichen „Prothesen“ einige bedeutende Merkmale des technischen Fortschritts (Automatisierung, Big Data o.ä.) und entwerfen dadurch ein Szenario für die Zukunft. In der Regel verbinden wir unsere Überlegungen mit einer Kritik des herrschenden Gesellschaftssystems (‚Money makes the world go round‘) und denken dann darüber nach, mit welchen Maßnahmen die Probleme gelöst werden können.

Nun sind aber weder die Ökonomie noch das Bildungssystem, die Politik, die Massenmedien oder alle anderen Subsysteme der Gesellschaft schlicht und einfach gegebene, unveränderliche Tatsachen und „evoluieren“, wie Niklas Luhmann einmal meinte, aus sich selbst heraus. Wir selbst sind es, die die soziale Wirklichkeit durch unser tägliches Handeln hervorbringen. Und umgekehrt reflektiert jedes System die Lebensweise der in ihr handelnden Individuen.

Wer auf das Potenzial von »21st Century Skills« verweist, argumentiert für gewöhnlich mit der Korrelation von gewünschten Kompetenzen und sozio-ökonomischem Erfolg. Der Erfolg auf dem Arbeitsmarkt macht demnach nicht nur einen großen Teil der persönlichen Lebenszufriedenheit aus, sondern wirkt auch, wie eine „unsichtbare Hand“, auf die Gesellschaft als Ganzes zurück.

Dass es Sinn macht grundlegende Kulturtechniken wie Lesen, Rechnen, Schreiben und in Zukunft auch ,digitale‘ Fertigkeiten zu messen lässt sich wohl kaum bestreiten. An dieser Stelle sollen auch nicht die Ergebnisse der Vergleichsstudien bezweifelt werden. (Die sozio-ökonomischen Kompetenzvorstellungen der OECD spiegeln ja gerade das gegenwärtige Denken wider.)

Entscheidend ist die Unvereinbarkeit der Forderung nach wirtschaftlichem Wachstum einerseits und sozialem Fortschritt andererseits, nach Kollaboration bei gleichzeitiger Konkurrenzkultur:

The only sustainable way is to grow our way out, and that requires giving more people the skills to compete, collaborate and connect in ways that drive our economies forward. Without sufficient investment in skills people languish on the margins of society, technological progress does not translate into productivity growth […].

Sicher, Herr Schleicher würde jetzt entgegnen, dass sich seine Organisation eben mit diesem Anliegen befasst – eine Politik zu befördern, die das Leben der Menschen weltweit in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht verbessert. Das ist so aber gar nicht möglich. Wachstum schafft ja weder Wohlstand für alle, noch Arbeitsplätze, noch trägt es in irgendeiner Form zur Bekämpfung von Armut bei.
Und spätestens seit der Veröffentlichung des Club of Rome über die „Grenzen des Wachstums“ (Meadows et al., 1972) ist offensichtlich, dass das szientistisch-technokratische Weltverständnis die globalen Probleme nur immer weiter verschärft:

• Die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, Zerstörung der Umwelt und der Klimawandel
• Die Zunahme sozialer Ungleichheit und die Spaltung der Gesellschaft
• Ethnische Konflikte, Terrorismus, Korruption und Verbrechen
• Das Bevölkerungswachstum und die globalen Flüchtlingsströme
• Das Fehlen einer flächendeckenden, menschenwürdigen medizinischen Versorgung

Wenn es aber zutrifft, dass die instrumentelle Vernunft nicht in der Lage ist, irgendein Meta-Problem zufriedenstellend zu lösen und sich die Krise nicht mit dem selben Denken bearbeiten lässt wie dem, das sie hervorgebracht hat, stellt sich natürlich die Frage, welcher Zugang die globalen Mißstände nicht bloß immer weiter verschlimmert.

Goleman und Senge (2014) schlagen zu diesem Zweck einen »Triple Focus« der Schulen vor. Wir sollten uns endlich vom Denken in Fachgrenzen lösen und ein Tiefenverständnis des Inneren, Anderen und Äußeren entwickeln:

the Inner • focusing on ourselves—on our interior world, connecting with our sense of purpose and deepest aspirations, understanding why we feel the way we do and what to do about those feelings […] concentrating on the task at hand, ignoring distractions, and managing our disturbing emotions.
the Other • tuning in to other people, or empathizing, being able to understand another person’s reality and relating to him from his perspective, not just from our own. Such empathy leads to caring and to the ability to work together—keys to effective, connected relationships.
the Outer • analyzing the dynamics of when I do this, the consequence is that, and how to use these insights to change the system for the better. [U]nderstanding the way systems interact and create webs of interdependence, whether this interaction is in a family or an organization, or the world at large. […]

Dieser dreifache Umgang mit Komplexität als Alternative zum kurzfristigen Ursache-Wirkungs-Denken stellt eine riesige Herausforderung dar.

Life support systems for the planet are slowly degrading because of unintended side effects of our actions. Our [evolutionary] alarm system rouses us only when it perceives an immediate threat, and today’s changes are either too macro or too micro for our perceptual systems. Because we don’t immediately sense the negative consequences of our daily habits writ large—it is easy to simply ignore them or pretend they are not happening.

Im Kern geht es also um völlig andere Rahmenbedingungen, die das Entstehen einer Haltung ermöglichen.

Wenn ich mich als getrennt von der Welt erlebe, sind Ressourcen für mich in erster Linie Objekte, die ich mir zu eigen mache und nutze. Sie haben nichts mit mir selbst zu tun. Das ist das Prinzip Selbstbedienungsladen – Schule der Gegenwart. Wenn ich mich hingegen als Teil der Welt begreife und dafür entscheide, mit jeder meiner Handlungen die Welt und mich selbst als Teil von ihr zu verändern (H. v. Foerster), hat das Konsequenzen für die Welt und mich als Teil von ihr. Die Frage der Verantwortung stellt sich dann in jedem Moment.

Vor diesem Hintergrund müsste es in der Schule zu allererst Gelegenheiten geben, Verhaltensweisen so lange gemeinsam gezielt einzuüben, dass aus ihnen Haltungen werden können – und eben kein ständiges Nachschieben von neuem Wissen, den Versuch Kompetenzen zu „vermitteln“ oder das Herumreiten auf Werten, die jeder abnicken kann, aber praktisch keiner erfährt.

Es sind unsere Emotionen, die uns bewegen. Sie bestimmen, was wir wahrnehmen, wie wir wahrnehmen, was wir tun und inwieweit wir überhaupt von unserer Intelligenz Gebrauch machen können. In Anbetracht dessen ist die entscheidende Frage: Wie werden aus unseren Kindern sich selbst respektierende, sozial und ökologisch bewusste, verantwortliche Lebewesen?